"Freigeist. Sensibelchen. Macherin."

Wie mich meine Freunde beschreiben.

Seit Beginn meines Musikblogs Ophelia - Der Musikblog über den Südwesten habe ich zahlreiche spannende Geschichten und beeindruckende Menschen kennengelernt. Da ich neugierig bin, welche Menschen unsere Region außerhalb der Musikszene beheimatet und ich oft etwas schreibe, das nichts mit Musik zu tun hat, beschloss ich mein Konzept zu erweitern. Hier möchte ich inspirierende Essays, Glossen oder Gedichte veröffentlichen. Ich möchte mit Menschen, die anders denken und neue Wege gehen, reden. Und ich möchte Menschen, die spüren, dass es in dieser Welt mehr als das Offensichtliche gibt, miteinander verbinden. Ihr könnt Euch mit meinen Gedanken und Zielen identifizieren? Folgt mir auf Instagram oder Spotify und zeigt mir damit, dass ich auf dem richtigen Weg bin.

Liebe Grüße und Danke an alle, die mich unterstützen,

Eure Sofie

Meine Geschichte

 

Heimkommen, Sonnenblumen vom Markt unter dem Arm. Beim Aufmachen der Wohnungstür strömt mir der Geruch von frischem Kaffee entgegen. Auf dem Tisch liegt die aktuelle Zeitung, auf meinem Plattenspieler läuft sanfter Indie und zum ersten Mal seit Langem fühle ich mich leicht. Einfach so.

Ich habe lange überlegt, ob ich über meine Zwangsstörung und meine Depressionen schreibe. Sie sind etwas sehr Persönliches und machen mich angreifbar. Auf der anderen Seite ist mir Authentizität unheimlich wichtig. Die Zwangsstörung und Depressionen sind leider ein Teil von mir, der einige Verhaltensweisen begründet (wie zum Beispiel dass ich manchmal Tage nicht auf Nachrichten antworte). Vor allem erklären sie jedoch, warum solche Momente so wichtig sind für mich und die Geschichte, wie es zu dem Blog kam, wäre nur die halbe Wahrheit, würde ich auf diesen Teil verzichten.

Es ist meine Verantwortung, ob ich glücklich bin

Es liegen Jahre der Auseinandersetzung mit mir selbst und etliche Erfahrungen mit anderen Menschen hinter mir. Allmählich beginne ich, zu verstehen, dass es meine Verantwortung ist, ob ich glücklich bin. Und dass ich diese Verantwortung tragen darf. Auch wenn ich dann manchmal nicht mehr ganz so sehr für andere da sein kann, wie ich das früher war.

Wenn ich meine Freunde frage, was mich ausmacht, ist eine der häufigsten Antworten "Empathie". Ich denke, das beschreibt mich ganz gut und zugleich erklärt es, warum es mir so lange schwer fiel, mich auf mich zu konzentrieren.

Was das nun mit Ophelias Musikblog zu tun hat? Als meine Grundschullehrerin fragte, was ich später werden will, antwortete ich, ich wolle schreiben.

In der fünften Klasse gewann ich den ersten Platz eines Schreibwettbewerbs. Einige Jahre später war ich Chefredakteurin der Schülerzeitung. Im Abi schließlich (wir waren ein kleiner Jahrgang) verfasste ich im Alleingang die Abi-Zeitung.

Trotzdem war ich nach dem Abi erstmal ein halbes Jahr in London, Praktikantin in der Werbebranche, habe zwei Jahre in der Pflege gearbeitet und zwei Jahre Medienkunst studiert, ehe ich durch Zufall auf die Jugendpresse stieß und dort erste journalistische Erfahrungen machen durfte. Kurze Zeit drauf fing ich einen Werktstudenten-Job bei der Karlsruher Zeitung BNN an.

Ich wollte immer nur schreiben

Das, was mir als Erstes auffiel, war: Alle hier sind unheimlich breitflächig interessiert. Aus einer meiner Schwächen wurde plötzlich eine Stärke. Mir wurde außerdem endlich bewusst, dass ich immer nur eines wollte. Schreiben.

Warum ausgerechnet Musik? Weil Musik die andere Sache ist, die mich immer begleitet hat. Ich habe letztens mal die ganzen Erlebnisse, die ich in diesem Zusammenhang hatte gelistet und um ein anderes Mal, erkannt, wie groß der Einfluss dieser auf mich ist. Da ich aber kein Fan von reinen Daten bin, erwähne ich an dieser Stelle nur die wichtigsten.

Die Magie von Musik

 

Dazu gehört mein erstes Festival mit 16. Depressionen und die Magie von Menschen, die alle gemeinsam jubeln und springen. Das erste Mal crowdsurfen und das Gefühl zu fliegen mit 17. Mit 18 morgens nicht aufstehen können, Musik auf Platte hilft. Mit 20 allein durch London laufen, Menschenmassen um mich und das unerträgliches Gefühl von Einsamkeit. Plötzlich ertönt über die Straßen, laut genug um das Stimmengewirr zu verdecken, mein Lieblingslied, Shine on you crazy diamond von Pink Floyd. Heute Momente mit meinem Bruder, wo wir Platte hören und er, ich und unsere Eltern anfangen, zu singen und zu tanzen. Damals lasen wir uns gegenseitig vor, heute zeigen wir uns gegenseitig neue Musik.

Das bin ich

Ich denke, mein früheres Ich, würde sich freuen, wenn sie hören würde, dass ich endlich wieder angefangen habe, zu schreiben. Und dass der Name des Ganzen an ihr Lieblingsbuch "Die Wilden Hühner" angelehnt ist.

Und die heutige Sofie denkt bei "Ophelia" an wehmütige Schreie von Giant Rooks in Bright Lies oder fröhliche Musik zum Mitklatschen von The Lumineers.

Vor lauter Verständnis für andere fehlte es mir lange an Verständnis für mich selbst. Alles fühlt sich gerade ein bisschen wie Heimkommen an. Zu mir finden. Zu dem finden, was ich wirklich will. Und nein, das ist kein weiterer "Liebe dich selbst und alles wird gut"-Beitrag. Das muss jeder für sich selbst herausfinden, auch wenn ich es jedem wünsche. Das hier ist meine Geschichte.